MIT ZIEGELN DAS KLIMA SCHÜTZEN EIN ZYKLUS IM EINKLANG MIT DER NATURVORWORT 3 Artenvielfalt erhalten, Biodiversität stärken 4 Lebende Bäume sind der Beste Klimaschutz 6 Ziegelbau ist Klimaschutz 8 Herkunftsnachweis für alle Baustoffe 10 Natürlich Ziegel für gesundes Wohnklima 12 Ziegel sind die natürliche Klimaanlage 14 Ziegel - Österreichs beliebtester Baustoff 16 Die Lebenszyklusbetrachtung spricht für Ziegel 18 Wohnraum muss leistbar sein 20 Ziegel haben viele Leben 22 FAZIT Ziegel sind das Beste für Mensch und Klima 24 LITERATURVERZEICHNIS* 26 * In Klammern gesetzte Zahlen im Text verweisen auf unser Literaturverzeichnis 2 INHALT 3 Liebe Leserinnen und Leser, die aktuelle Klimaschutzdebatte schärft den Blick für die Nachhaltigkeit von Baustoffen – zu Recht. Denn unser Klima bedarf dringend des Schutzes. Schnelles Handeln ist gefragt. Doch diese Dringlichkeit sollte nicht dazu verleiten, ein komplexes Thema zu schnell auf anscheinend einfache Schlussfolgerungen zu reduzieren und diese zur Grundlage der Maßnahmenplanung zu machen. Im Falle der Baustoffdiskussion scheint uns diese Gefahr gegeben. Mit dieser Broschüre geben wir einen Einblick in die vielen unterschiedlichen Dimensionen der Nachhaltigkeit, die relevant werden, wenn es um die ökologische, ökonomische und soziale Einschätzung von Baumaterialien geht. „Mit Ziegeln das Klima schützen“ lauten Titel und These dieser Broschüre. Wir haben Ihnen die wichtigsten Argumente dafür zusammengestellt und belegen sie mit den Ergebnissen wissenschaftlicher Studien. Wir hoffen, damit die Diskussion um die Klimaverträglichkeit von Baustoffen bereichern zu können, und wünschen erkenntnisreiche Lektüre. Baurat h.c. Dipl. Ing. Martin Leitl Initiative Ziegel Tongruben schaffen Lebensräume 4 ARTENVIELFALT ERHALTEN, BIODIVERSITÄT STÄRKENGesunde Ökosysteme sind wichtig In Österreich werden 57 % der Waldbiotoptypen als ge- fährdet eingestuft und 90 % der Grünlandbiotoptypen sind einer Gefährdungskategorie zugeordnet. Gemäß „Roten Listen“ sind in Österreich 27 % der Säugetiere, 27 % der Vögel, 60 % der Kriechtiere und Lurche gefähr- det. [44] Daher gilt es, unsere artenreichen Ökosyste- me zu erhalten. Schutz für seltene Pflanzen und Tiere Tonbaustoffe können in diesem Zusammenhang punk- ten: Denn Tongruben werden letztendlich an Natur und Gesellschaft zurückgegeben. Sie bieten dann wertvolle, sehr selten gewordene Biotope für bedrohte Tier- und Pflanzenarten. Dadurch gelingt es, „mehr Abwechslung und Artenreichtum in unsere [...] oft schon sehr mono- tonen Kulturlandschaften (zu) bringen“, wie der WWF hervorhebt. [27] Diese Projekte zeigen beispielhaft, was das bedeuten kann: Projekt Kager Für ein Modellprojekt zum Schutz von Amphibien über- ließ ein Tonbaustoffhersteller ein 18.000 Quadratmeter großes Areal in den Inn -Auen dem Bund Naturschutz Bayern. Heute leben dort bedrohte Frösche, Unken und Molche, die zum Laichen einen Wechsel von Überflu- tung und Trockenheit benötigen. [15] Projekt „Living Rivers“ Gezieltes Abtragen von Ton kann dazu beitragen, natur- nahe Lebensräume wiederzubeleben: Im Projekt „Living Rivers“ reaktivierte der Tonabbau Seitenarme des Rheins und schuf auf 2.000 Hektar Fläche Lebensraum sowie Brut- und Laichareale für Vögel und Fische. [47] Neue Ökobilanz-Kategorie Wie sich ein Baustoff auf die Biodiversität, also die Ar- tenvielfalt, auswirkt, sollte künftig in seine Ökobilanz einfließen, sagen Dr. Renate Hammer und ihr Team vom Institute of Building Research & Innovation. Sie haben einen methodischen Ansatz entwickelt, der eine solche Bewertung ermöglicht. [8] 5 Quelle: Eigene Erstellung, basierend auf Biodiversity Impact Assessment, Wien 2018, Renate Hammer et al., Institute of Building Research & Innovation Artenschutz muss Einflussfaktor der Ökobilanz werden Süßwasser- verfügbarkeit Klimawandel Artenschutz/ Biodiversität ÖKOBILANZ Ressourcen- verbrauch Wasser- verbrauch Treibhausgas- emission … Primärenergie- einsatz Überdüngung Versauerung Landnutzungs- änderung Tonnutzung schützt den Klimaretter Wald 6 LEBENDE BÄUME SIND DER BESTE KLIMASCHUTZ 7 Wälder als Kohlendioxidspeicher Der Wald ist der wohl wichtigste Klimaschutzverbün- dete des Menschen. Seine zentrale Rolle als Kohlen- dioxidspeicher kann er jedoch nur erfüllen, wenn Bäu- me alt (140 Jahre und mehr [48]) werden und Wälder ihre natürliche Artenvielfalt ausbilden dürfen. [35] Wer mit Ton baut, schont diese wichtige Klimaressource. Beste Lösung gegen den Klimawandel Berechnungen der ETH Zürich zeigten: Durch Auffors- tung einer Fläche von 0,9 Milliarden Hektar (entspricht in etwa der Fläche der Sahara) weltweit würde es gelingen, zwei Drittel der seit der industriellen Revolu- tion verursachten CO 2 -Emissionen zu binden. [38 + 45] „Flächen zu bewalden (ist) derzeit die beste verfügbare Lösung gegen den Klimawandel“, sagt ETH-Professor Thomas W. Crowther. [45] Nutzungsszenarien verglichen Das Institute of Building Research & Innovation aus Wien verglich unterschiedliche Waldnutzungsszena- rien. [1] Die Grundlage dafür bildeten vier Studien aus der Forstwirtschaft. [12 + 25 + 26 + 40] Ein ähnliches Vor- haben führte das Thünen-Institut mit seiner EU-Studie ClimWood2030 durch. [9] Beide Untersuchungen be- stätigen: Eine substanzielle Aufforstung bekämpft den Klimawandel am wirkungsvollsten. Trend: Wälder büßen Substanz ein Der aktuell starke Holzabbau widerspricht jedoch die- sem Ziel. Die Organisation Fern warnt, dass – sollte sich nichts ändern – die Wälder in der EU ihr CO 2 -Speicher- potenzial bis 2100 halbieren würden. [35] Forderung: „Abkehr von der Plantagenwirtschaft“ Knapp 80 Waldbesitzer*innen sowie Fachleute aus Forschung, Forstwirtschaft und von Umweltverbänden aus Deutschland forderten jetzt in einem offenen Brief an die Bundeslandwirtschaftsministerin ein „Manage- ment, das den Wald als Ökosystem und nicht mehr länger als Holzfabrik behandelt“. [16] Szenario R (Referenz = aktuelle Holznutzung) Szenario 1 (intensivierte Holznutzung) Szenario 2 (reduzierte Holznutzung) Wald Holzprodukte (HWP) Substitutionsemissionen Emissionen durch verringerte Holznutzung Gesamte Emissionsvermeidung (CO 2 Senke) Spezifische Effekte der CO 2 -Emissionsvermeidung kt-CO 2 -Äquivalente 500.000 0 -500.000 -1.000.000 -1.500.000 -2.000.000 -2.500.000 Szenario RSzenario 1Szenario 2 Quelle: Analyse aktueller Studien der Forstwirtschaft, Wien 2016, Peter Holzer, Renate Hammer, Institute of Building Research & Innovation Tonziegel auf dem Weg zur Klimaneutralität 8 ZIEGELBAU IST KLIMASCHUTZ 9 Quelle: Fact Sheet: EU 2050 strategic vision „A Clean Planet for All“, o. O. 2018, Matthias Duwe et al., Umweltbundesamt Drei-Säulen-Strategie für den Klimaschutz Ziegel aus Ton formen, die Rohlinge trocknen und sie anschließend bei hohen Temperaturen im Ofen bren- nen: Dieser Produktionsablauf blieb seit Jahrhunderten gleich, wenn auch stetig optimiert und im Energiever- brauch deutlich reduziert. Doch die Ziegelindustrie denkt weiter und arbeitet mit einer Drei-Säulen-Stra- tegie aus Energiemanagement, dem Ein satz erneuer- barer Energien und der Kompensation durch Klima- schutzprojekte an der Erreichung der Klimaneutralität. Hightech für weitere Einsparungen Und es geht weiter: Ein neuer Tunnelofen mit innovati- vem Konzept, den die TU Wien gemeinsam mit Ziegel- herstellern entwickelt, soll die thermische Effizienz um rund zehn Prozent erhöhen und Gasverbrauch sowie CO 2 -Ausstoß entsprechend verringern. [39] Ein weite- res aktuelles Projekt, an dem die TU Graz mitarbeitet, betrifft eine energiesparende Ziegeltrocknung mit Wärmepumpe. Die Forscher*innen erwarten „Emissi- onseinsparungen zwischen 20 und 70 %“. [37] Ziel: eine klimaneutrale Wirtschaft Damit unterstützt die Ziegelindustrie den European Green Deal der EU, der bis 2050 zur Emissions- Neutralität führen soll. Erfolgreich sind Wege, die eine Vielzahl von Maßnahmen bündeln: die Elektrifizierung vorantreiben, Wasserstoff und erneuerbarem Strom als Ersatz für Brennstoffe nutzen, die Energieeffizienz erhöhen und eine Kreislaufwirtschaft umsetzen. Hinzu kommen neue Technologien wie die CO 2 -Abscheidung und -Speicherung, aber auch eine Ausweitung sonsti- ger CO 2 -Senken sowie eine Änderung des Lebensstils. Für den Gebäudebereich, der aktuell für rund 40 % des End-Energie verbrauchs auf EU-Ebene verantwortlich ist, bedeutet dies, Energie künftig noch effizienter zu nutzen, heißt es in einem Fact Sheet des Umweltbun- desamtes zur „EU 2050 strate gic vision ‚A Clean Planet for All‘“. [17] Die wichtigsten Verursacher von Treibhaus- gas-Emissionen in Österreich waren im Jahr 2017 die Sektoren Energie und Industrie (44,9 %), Verkehr (28,8 %), Landwirtschaft (10,0 %) sowie Gebäude (10,1 %). [49] Projizierte Verlaufskurve der THG-Emissionen bei einem Temperaturanstieg von 1,5 °C Mio t CO 2 Äq andere Treibhausgase andere Treibhausgase - Landwirtschaft Wohnen Tertiärsektor (Dienstleistungen) Verkehr Industrie Strom Technologien zur CO 2 -Entfernung LULUCF (= land use, Land-use change and forestry) Nettoemissionen2005201020152020202520302035204020452050 5.000 4.000 3.000 2.000 1.000 0Next >